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Eistauchen – eine stille Leidenschaft

Eistauchen oder auch im Rausch der Kälte

Für die Mehrzahl der Taucher ist Fische gucken, möglichst tief zu tauchen oder sonstige bekannte Argumente der Ansporn ins Nass zu springen. Doch manch einer sagt auch, dass das alles „Kinderkacke“ ist und für den passionierten Eistaucher zählt deshalb vor allem der Blick nach oben. Ein Blick der ganz neue Aussichten offenbart. Und daher schwärmen alle Eistaucher von der Zauberwelt unter dem Eis. Und den Rückweg sichert nur eine dünne Schnur.

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Normalerweise bevorzuge ich Eis in Würfelform oder zerstossen in meinem Bacardi Cola und bin eine bekennende Frierhippe. Aber wenn sich eine Gelegenheit bietet unter einer geschlossenen Eisdecke entlang zu tauchen, dann wird mir vor lauter Vorfreude gleich warm.

Viele Taucher beenden ihre Freiwassersaison in Deutschland Ende Oktober, ihnen wird dann kühl, die Natur bereitet sich auf den Winterschlaf und so motten sie ihre Ausrüstung bis zum Frühjahr ein. Auch für mich sind solche Argumente und Bedenken nichts Neues. Seit vielen Jahren organisiere ich mit unserem Tauchcenter Wuppertal Winter- bzw. Eistauchgänge in heimischen Seen. Aber ähnlich wie bei Tauchgängen in Höhlen oder Wracks muss man sich unter Eis mit dem Gedanken anfreunden, nicht jederzeit auftauchen zu können. Aber diese Bedenken verflüchtigen sich fast immer nach dem ersten Eistauchgang, denn danach sind alle süchtig nach dem Blick durch das Eis.

Unter den Seen wo Eistauchen überhaupt erlaubt ist, gehören natürlich die Bergseen in Österreich zu meinen absoluten Favoriten, aber auch „unser“ Bösinghovener See bietet wenn er zugefroren ist, ein absolutes Tauchvergnügen. Wenn der Winter uns dann noch mit Kaiserwetter und Schnee bedacht hat, kann man von einem Wintermärchen sprechen.

Ist erst einmal ein Loch ins Eis gesägt und die Einstiegsstelle gesichert, bleibt für die wackeren Helden kaum noch Zeit zum Überlegen, denn schon sitze ich im Loch und rufe „Auf geht’s, gemma!“.  Wenn ich dann abgetaucht bin, dauert es meist eine Weile bis meine Partner folgen, denn es läuft fast immer gleich ab:  erst zögernd, dann entschlossen geht es hinunter in eine Welt, die mit jener über dem Eis fast nichts gemeinsam hat.

Gemeinsam gleiten wir  nur einen Meter tief unter der Eisdecke entlang. Das einzige Geräusch kommt von den Atemreglern, es macht „schhhh“ beim Einatmen und blubbert, wenn die Luft wieder entweicht. So regelmäßig wie ein Herzschlag. Es geht nur langsam vorwärts, wir gleiten über abgestorbene Bäume hinweg, deren Äste wie mit Moos besetzte Finger wirken. Beim Eistauchen kommt es nicht auf Tiefe oder weite Strecken an. Es ist der Blick nach oben, der zählt. Wenn sich die ausgestoßene Atemluft unter der Eisdecke sammelt und wie flüssiges Metall wirkt, wenn man die Welt darüber wie durch einen milchigen Nebel sieht, spätestens dann nimmt einen die Faszination Eistauchen gefangen.

Im Idealfall ist das Eis auch noch schneefrei, während die Sonne am Himmel steht, ihre Strahlen durch das Eis dringen und Lichtmuster ins Wasser zaubern. Dann ist der Taucher in einer Welt gefangen, die ebenso bizarr wie lebensfeindlich scheint und ihm dennoch ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Niemand kann sich dieser Faszination entziehen, man kann auch sagen, dass die Faszination längst sämtliche Bedenken weggewischt hat.

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Aber ohne Teamwork geht beim Eistauchen nichts. Denn vollkommen losgelöst sind die Taucher unter dem Eis nicht. Eine Leine verbindet die max. drei Taucher unter dem Eis mit einem Helfer, der an der Oberfläche auf sie wartet. Diese Schnur in Signalfarbe ist die Versicherung dafür, dass die Taucher am Ende des Tauchgangs den Ausstieg wieder finden.

Eistauchgänge setzen eine dementsprechende Ausrüstung und Planung voraus: Jeder Taucher muss über zwei getrennt voneinander arbeitende und kaltwassertaugliche Atemregler verfügen. Trockentauchanzüge sind obligatorisch. Und bereits vor dem Tauchgang sollte klar sein, wie anschließend die Einstiegsstelle gesichert wird, damit Schlittschuhläufer und Schaulustige das Loch im Eis nicht übersehen.

Weiter als 50 bis 70 Meter bewegen sich die Taucher nicht vom Ausgangspunkt fort. Oft wird Tauchen als Abtauchen in eine Welt der Stille beschrieben. Doch das ist in den Meeren Quatsch, denn man hört die Brandung, den Lärm von Schiffsmotoren, das Nagen der Fische an Korallen. Doch hier unter dem Eis trifft diese Beschreibung zu.  Unter dem Eis fühlt man sich wie in einer anderen, geräuschlosen Galaxis. Das Einzige was aber dabei doch stört sind die blöden Atemgeräusche.

Wer sich unter das Eis begibt, wird den Anblick von Fischen vermissen. Fast leer geräumt erscheint der See, kaum eine Spur von Aktivität ist zu sehen. Und dennoch sind sie da, meist in Grundnähe, wo der See am wärmsten ist. Während sich die meisten Stoffe bei Abkühlung zusammenziehen, dehnt sich Wasser aus. „Anomalie des Wassers“ nennen Fachleute diesen Vorgang. Darum schwimmt Eis oben, werden zugefrorene Seen mit zunehmender Tiefe immer wärmer. Am Grund zeigt der Tauchcomputer meist 4 Grad Celsius an. Bei dieser Temperatur hat Wasser seine höchste Dichte erreicht, es wird am schwersten und sinkt auf den Boden.

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Die meisten Fische fallen in eine Art Trancezustand, fahren sämtliche Körperfunktionen runter und zehren von den Reserven, die sie sich im Sommer zugelegt haben. Würde man sie erschrecken und damit zur Flucht antreiben, kann dies ihr Todesurteil bedeuten. Deshalb lassen wir die Tiere absolut in Ruhe, denn die bei Flucht verbrauchte Energie können die Tiere bei dem geringen Futterangebot im Winter nicht ersetzen.

Nach einer Dreiviertelstunde ist dann aber auch mit dem Tauchgang Schluss, denn auch der beste Tauchanzug hält nun kaum noch warm.

Wer nun die Neugier und das Interesse erwischt hat auch einmal unter Eis zu tauchen, sollte im eigenen Interesse das Eistauchen richtig erlernen. Sprecht uns an, wir beraten Euch gerne.

SK Eistauchen – Ice Diver….. eine Herausforderung und Faszination zugleich.

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Autor: JD am 27. Nov 2013 18:41, Rubrik: AKTUELLES und NEWS, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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