Solotauchen

Solotauchen – Macht das Sinn oder sterben alle Solotaucher?

Es gibt kaum ein Thema in der Tauchwelt, welches so kontrovers diskutiert wird wie solo – also alleine- zu tauchen. Ich bin ein bekennender Solotaucher, aber das kommt letztendlich auch nicht von ungefähr. Ich bin von Beruf Taucher und dazu begeisteter Höhlen- und Wracktaucher. Und hier bin ich mir oft selbst der Nächste, besser gesagt, dabei möchte ich ungerne auf andere aufpassen wollen. Seit 1980 tauche ich ab und habe in diesen Jahren, Jahrzehnten, schon viele Diskussionen zu verschiedenen Themen erlebt. Aber Solotauchen spaltet seit Jahren die Taucherschaft. Allen voran der Verband in Deutschland der noch vor der Entdeckung von Amerika durch Columbus das Sporttauchen in Deutschland eingeführt hat. Ihr versteht wen ich meine, fängt mit V an…..

Im normalen Sporttaucherbereich bin ich allerdings auch ein Befürworter des Buddy-Systems und daran sollte auch nicht gerüttelt werden. Aber immer wieder gibt es Situationen in denen jemand alleine tauchen geht. Und das sicher, unfallfrei. Deshalb sollte man Solotauchen aber nicht derart verteufeln, als wenn jeder Solotaucher sofort verdampfen muss.

Ich selbst habe in die IDA nunmehr die Integration des Spezialkurses Solotauchen hineingebracht, die Anforderungen ausgearbeitet, eine Prüfungsordnung erstellt und… dann begann der “Kampf” mit unserem Ausbildungsleiter und ich muss sagen, diese Diskussionen, Brain-stormings und steten Änderungen waren notwendig. Denn rechtliche Aspekte habe ich dann mit meinem Freund und Mitautor einiger Fachliteratur (bereits erschienen oder kurz vor Veröffentlichung – so auch Solotauchen) abgeklärt. Denn er als Jurist erhob stets den Zeigefinger. Mit Recht! Aber das Endprodukt kann sich nun sehen lassen, der IDA SK Solotauchen.

Ich habe nach diesen “Spielregeln” dann einen ersten Kurs durchgeführt mit immerhin 10 Teilnehmern. Teilweise hatten diese bereits über 500 Tauchgänge geloggt. Aber man konnte feststellen, dass sie über viele Sachen gar nicht oder nicht richtig nachgedacht haben. Mir hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht, alte Hasen zu sensibilisieren, das heißt zum Nach- und Umdenken gebracht zu haben, was Ausrüstung und Konfiguartion, Tarierung usw. angeht. Deshalb kann ich diesen Kurs nur jedem eigentlich ans Herz legen, der sich wirklich taucherisch nach vorne bewegen möchte und demnächst in Solotauch-Situationen gut vorbereitest zu sein.

Zum Thema Solotauchen selbst stellen wir uns doch mal ein paar grundsätzliche Fragen vorab:
•Wie gefährlich ist Tauchen überhaupt in der heutigen Zeit? Und das im Vergleich zu anderen Sportarten oder Tätigkeiten?
•Ist es gefährlich zum Beispiel ein Modellflugzeug zu steuern? Oder ein richtiges Flugzeug? Oder ein gar ein Auto?
•In welchem Zusammenhang stehen diese sportlichen Betätigungen mit den Menschen drum herum oder der Umwelt?
•Wie viele Menschen sind durch einen Fehler eines Sportflugzeuges oder Segelflugzeuges gefährdet?
•Und wie viele durch einen Fehler eines Tauchers?

Tauchen selbst ist eine potentiell gefährliche Sportart, also lebensgefährlich! So steht es doch geschrieben! Der Taucher begibt sich in einen mit dem menschlichen Leben unvereinbare Umgebung. Nur eine technische Ausrüstung ermöglicht hier das Überleben. Selbstüberschätzung, Schlampigkeit, mangelhafte oder mangelnde Ausbildung und zu wenig Erfahrung können zu Situationen führen, die den Taucher in akute Lebensgefahr bringen. Doch kann das Buddy-System hier wirklich Abhilfe schaffen? Oder macht man sich hier nur was vor und fühlt sich in Sicherheit?

Klar ist, dass ein Tauchschüler nicht alleine lernt und tauchen geht. So ähnlich wie der Fahrschüler einen Fahrlehrer an seiner Seite hat, hat der Tauchneuling einen Tauchlehrer neben sich. Aber ehrlich: Der Tauchlehrer selbst taucht genau genommen alleine. Er kann, darf und wird sich nicht darauf verlassen, dass der Tauchschüler ihm im Falle eines Falles zu Hilfe eilt. Das eiserne Gesetz “Tauchen nie alleine!” gilt es denn dabei auch? Sollte es daher ausnahmslos festverankert und in Stein gemeißelt sein?

Hört man vielen Taucher bei ihren Gesprächen zu oder steht am See/Meer und schaut mal genau hin, so sieht man, dass die Gruppe der “einsamen Taucher” zugenommen hat. Die Motive sind unterschiedlich: manche wollen in Ruhe fotografieren, manche genießen einfach das Tauchen selbst ohne Verantwortung für einen Buddy zu tragen müssen. In kleinen Grüppchen outen sie sich als “Solotaucher” und besprechen ihre Vorgehensweise. Literatur? Kaum zu finden. Empfehlungen von Verbänden? Einige Organisationen setzen sich mit dem Thema auseinander so wie wir in der IDA und bieten entsprechende Hilfestellungen und Tipps in Form von Kursen an, andere sitzen auf ihrem alten verrosteten Ross und sind der Meinung das Solo-Tauchen viel zu revolutionär sei und bringen Argumente ins Feld, die meist nur an den Haaren herbeigezogen sind. Und hier haben wir nun angesetzt:

Der Zweck dieses Kurses ist es, den Taucher mit den Vorteilen, Verfahren, Techniken und potentiellen Gefahren bekannt und vertraut zu machen, die mit Solo Tauchgängen verbunden sind. Der Solo-Taucher-Kurs vermittelt erfahrenen Sporttauchern, wie man sicher und unabhängig von einem Buddy taucht. Der Kurs befasst sich mit der exakten Tauchgangsplanung, der Unfallverhütung, den Gefahren des Alleine-Tauchens, sowie der korrekten Durchführung eines Solotauchgangs. Im Kurs wird auch auf die erforderliche Zusatzausrüstung für Solo-Tauchgänge eingegangen.

Die Ausbildung zum Solo-Taucher soll ganz sicher nicht das bewährte Buddy-System ersetzen. Vielmehr soll es dieses sinnvoll ergänzen. Im Bereich des Sporttauchens herrscht der Grundsatz des Buddy-Systems vor und das ist soweit auch gut so. Allerdings funktioniert das Buddy-System nur dann wirklich gut, wenn beide Taucher (oder die Tauchgruppe) einen ähnlichen Ausbildungsstand haben und ziemlich gleich routiniert sind. Dann besteht wirklich die Möglichkeit, sich im Falle eines Falles gegenseitig helfen zu können und dadurch die Sicherheit beim Tauchen zu steigern.

Der interessierte Leser kann sich gerne informieren und bei Interesse natürlich auch einen entsprechenden Kurs belegen. Danach kann  er dann selbst entscheiden wann und ob er sich in Solotauchsituationen gegeben möchte.

30. Mai 2013 – Jürgen Derichs – IDA Examiner, Coursedirektor und Instructortrainer, PADI Master Instructor

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Autor: JD am 30. Mai 2013 15:24, Rubrik: Solotauchen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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